Bei der familiengeführten Spedition, die in zweiter Generation von Frank Peters geführt wird, ist das Ziel jeder Ausbildung die spätere Übernahme. Bewerber werden deshalb nach besonderen Kriterien ausgesucht – und gefördert.
Von Heike Steinmetz
Als Julian Welcker, heute Geschäftsführer von EP Logistic in Buxtehude, mit 17 Jahren einen Ausbildungsplatz als Speditionskaufmann suchte, war das alles andere als leicht: „2001 haben vor allem größere Speditionen nur Abiturienten angenommen. Da waren meine Chancen mit einem durchschnittlichen Realschulabschluss inklusive einer 5 in Mathe nicht besonders groß.“ Er gab aber nicht auf. Hartnäckig überzeugte er den Gründer des familiengeführten Unternehmens in mehreren Telefonaten davon, ihm eine Chance zu geben.
„Ernst Peters hat mir dann in meiner Ausbildung das Rüstzeug des ehrbaren und hanseatischen Kaufmanns vermittelt“, berichtet der heute 42-Jährige. „Er hat mir aber auch den Freiraum gegeben, den ich brauchte, um mich zu entwickeln.“ Von diesem Vertrauen und der Unterstützung angespornt, absolvierte Julian direkt nach der Ausbildung erfolgreich die Weiterbildung zum Verkehrsfachwirt. Und übernahm verantwortungsvolle Aufgaben: 2007 wurde er Speditionsleiter, im Juli 2014 erhielt er Prokura und 2023 wurde er von Frank Peters, dem Sohn des Gründers, in die Geschäftsführung berufen.
Persönlichkeit und Sozialverhalten wichtiger als Noten
„Bei der Auswahl unserer Azubis legen wir sehr viel Wert auf Persönlichkeit, Sozialverhalten und Entwicklungspotenzial“, erläutert Frank Peters. „Julian ist ein gutes Beispiel dafür, dass Noten zwar wichtig, aber nicht ausschlaggebend sind. Wichtiger ist uns, dass jemand wirklich zu uns ins Team passt – genau das ist das entscheidende Kriterium bei der Zu- oder Absage.“ Bevor über einen Ausbildungsvertrag entschieden wird, werden die potenziellen Azubis zu ein bis zwei Schnuppertagen eingeladen, bei denen Interessen und das Engagement im Mittelpunkt stehen. Von den rund 60 Mitarbeitenden werden zurzeit zwei zu Kaufleuten für Spedition und Logistikdienstleistungen ausgebildet. Angeboten werden aber auch Ausbildungen zur Fachkraft für Lagerlogistik und zum Fachlageristen. Die Azubis werden durch regelmäßige Schulungen individuell betreut und erhalten bei Bedarf Unterstützung in der Schule sowie interne Nachhilfe bei speziellen Themen wie beispielsweise Gefahrgut. Diese Nachhilfe erfolgt durch den jeweils fachlich kompetentesten Mitarbeitenden. Großen Wert legen die Verantwortlichen zudem darauf, dass die Azubis jede Abteilung des Unternehmens kennen und früh selbstständig arbeiten.
“Julian ist ein gutes Beispiel dafür, dass Noten zwar wichtig, aber nicht ausschlaggebend sind. Wichtiger ist uns, dass jemand wirklich zu uns ins Team passt.” Frank Peters, Sohn des Gründers von EP Logistic in Buxtehude
Dies betont auch Natascha Kreß, seit 2018 als Ausbildungsleiterin im Familienbetrieb an Bord. Für sie ist die Aufgabe eine Herzensangelegenheit, erzählt sie: „Für uns ist es wichtig, dass die Auszubildenden in ihrer Abteilung als vollwertige Arbeitskraft integriert werden und früh Verantwortung übernehmen. Durch selbstständiges Arbeiten, den direkten Kontakt mit den Kunden und Dienstleistern lernen sie ihre Aufgabe bis ins Detail kennen. Zudem arbeiten wir eng mit der Berufsschule zusammen, um Stärken und Schwächen früh zu erkennen.“
Übernahmequote von über 66 Prozent
Seitdem sie die Leitungsrolle übernommen hat, haben insgesamt sechs Azubis die Ausbildung bei EP Logistic beendet. Vier von ihnen wurden übernommen. „Einer unsere Azubis wollte nach der Ausbildung zur Polizei oder zum Zoll wechseln, einem anderen konnten wir aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheiten keine Übernahme anbieten“, so Natascha Kreß. An diese Zeiten erinnert sich auch noch Julian Welcker: „In den späten 2000er-Jahren haben wir unseren größten Einzelkunden im Lager und Nahverkehr verloren. Trotzdem hat die Inhaberfamilie niemanden entlassen, es wurde gemeinsam nach Lösungen gesucht. Das hat mich stark beeindruckt und meine Loyalität massiv gesteigert.“ Auch die Zeit der Transformation weg von ein bis zwei großen Kunden hin zu einer diversifizierten und resilienteren Basis in den Bereichen Lager, Spedition und Fuhrpark hat ihn stark geprägt: „Heute bespielen wir mit unseren flexiblen Lösungen die unterschiedlichsten Branchen und haben unsere Strahlkraft in den letzten Jahren über die Region hinaus massiv steigern können.“
Besonderes Arbeitsklima auch bei Kunden bekannt
Diese Strahlkraft hat auch Josefine Klein zu EP Logistic geführt: „Ich wollte unbedingt Speditionskauffrau werden und hatte schon einen Ausbildungsvertrag bei einer namhaften und deutschlandweit bekannten Spedition in Hamburg unterschrieben“, erinnert sie sich. „Ein Verwandter hat mir dann EP ans Herz gelegt – das sei ein familiengeführtes Unternehmen mit einem jungen Team und klasse Arbeitsatmosphäre, das besser zu mir passen würde. Überzeugt hatte ihn übrigens seine Erfahrung als Kunde von EP.“ Josefine ist die zweite ehemalige Auszubildende, die sich zur Führungskraft entwickelt hat. Seit gut zweieinhalb Jahren arbeitet sie als Teamleiterin Nationale Transporte. „Mir wurde schon in der Ausbildung die Verantwortung für einen namhaften Neukunden übertragen. Während und auch nach meiner Ausbildung wurde ich von allen Kolleginnen und Kollegen sowohl fachlich als auch persönlich stark unterstützt. Ich durfte die Einführung der neuen Speditionssoftware schon während der Ausbildung aktiv mitbegleiten und den Übergang zum papierlosen Büro in Zusammenarbeit mit unserer Geschäftsführung selbstständig operativ gestalten und umsetzen.“ Auch sie betont, wie wertvoll das Vertrauen der Vorgesetzten für sie war.
„Über den Werdegang von Julian und Josi freuen wir uns natürlich besonders“, sagt Natascha Kreß. „Wir schauen bereits während der Ausbildunag, wer als Führungskraft geeignet ist, und fördern ihn oder sie entsprechend.“ Insgesamt hat EP Logistic acht Führungspositionen, von denen zwei nun mit ehemaligen Azubis besetzt sind. Sowohl Frank Peters als auch Natascha Kreß können sich vorstellen, dass sich diese Zahl im Laufe der Jahre erhöht. ■
Heike Steinmetz ist freie Journalistin mit dem Schwerpunkt Logistik.
