Duale Akademie und „Lehre mit Matura“ ermöglichen Abiturienten, in kurzer Zeit den Lehrabschluss für Logistik- und Speditionsberufe zu erlangen – und Auszubildenden ihr Abitur
Von Wilfried Schneider
Manche ziehen dafür sogar von Deutschland nach Österreich: Die „Duale Akademie“ (DA) – ein Ausbildungsmodell, das in zwei Jahren zum Lehrabschluss in Spedition und Logistik führt – hat sich von einem oberösterreichischen Pilotprojekt zum landesweiten Erfolgsmodell entwickelt. Seit 2023 steigen die Anmeldezahlen, vor allem in Wien und Vorarlberg. Was macht dieses Programm so attraktiv? „Die Ausbildung ist ein toller Einstieg nach der Matura und bietet eine gute Alternative zum Studium“, sagt Johannes, Absolvent als Speditionskaufmann. „Mit der Lehrabschlussprüfung erlange ich zusätzlich zur allgemeinen Schulbildung eine Fachausbildung in der Spedition. Einen weiteren Vorteil bietet das Programm auch beim Thema Gehalt: Im Gegensatz zum Studium verdient man ab dem ersten Tag sein eigenes Geld.“
Vollzeit-Trainee statt Hörsaal
Bei voller Festanstellung durchlaufen die Teilnehmenden ein zweijähriges Trainee-Programm, rund 70 Prozent davon in einem DA-Ausbildungsbetrieb. Die restliche Zeit verbringen sie an einer Berufsschule und am Wirtschaftsförderungsinstitut (WIFI) beziehungsweise dessen Fachhochschule, an der die theoretischen Kenntnisse vermittelt werden. Die Kosten übernimmt der Ausbildungsbetrieb. „Das ist ein zusätzlicher Benefit im Vergleich zu anderen Ausbildungen, wo die Zielgruppe selbst bezahlen muss“, sagt Diana Murauer, Bereichsleiterin der Wirtschaftskammer Oberösterreich. Nach einem weiteren Praxisjahr erfolgt die Verleihung des „DA Professional Logistics-Management“. Dieser höchste Abschluss der Dualen Akademie bündelt Berufspraxis, Berufsschule und Zukunftskompetenzen auf Stufe 5 im österreichischen nationalen Qualifikationsrahmen (NQR) – gleichwertig mit einer berufsbildenden Reifeprüfung oder einer Meisterprüfung.
Was junge Menschen an der Dualen Akademie besonders reizt, ist laut Christine Buchinger, Projektmanagerin beim Bundesbüro Duale Akademie in Wien, die doppelte Qualifikation: Lehrabschluss und Studienberechtigung in einem. Aus Sicht der Unternehmen werde immer wieder berichtet, dass DA-Trainees eine sehr motivierte und fokussierte Zielgruppe darstellen.
Vom Pilotprojekt zum landesweiten Standard
Gestartet ist das Modell 2018 in Oberösterreich, initiiert von Doris Hummer, Präsidentin der Wirtschaftskammer Oberösterreich, und Reinald Katzinger, Direktor der Berufsschule für Speditions- und Logistikberufe in Ried im Innkreis. Mittlerweile wurde es in ganz Österreich ausgerollt. „Jetzt ist es nicht mehr wichtig, wer Vorreiter war, nun zählt die Thematik, in ganz Österreich die Ausbildung auf gleichem Niveau durchzuführen“, betont Murauer. Neben Oberösterreich gibt es Berufsschulstandorte in Wien, Salzburg und Vorarlberg. „Hier zeigt sich der Bedarf an qualifizierten, reifen Fachkräften mit Matura und Praxisbezug besonders deutlich“, sagt Buchinger.
In Ried im Innkreis lässt sich beobachten, wie sich die beiden Modelle ergänzen: Unter demselben Dach absolvieren Lehrlinge über das Programm „Lehre mit Matura“ kostenlose Aufbaukurse in Deutsch, Mathematik, einer lebenden Fremdsprache und einem beruflichen Fachbereich, um ihr Abitur zu erwerben. Gleichzeitig arbeiten Abiturientinnen und Abiturienten in der Dualen Akademie auf ihren Lehrabschluss hin. „Die Lehre mit Matura ist eine perfekte Kombination, die Jugendliche nicht länger vor die Entscheidung zwischen Berufserfahrung oder weiterer Schulbildung stellt“, sagt Berufsschuldirektor Katzinger. Mit der Dualen Akademie spreche er im gleichen Haus umgekehrt Abiturienten, Studienabbrecher und Berufsumsteiger an – eine „Vice-versa-Win-Win-Situation“. Buchinger und Murauer sind überzeugt: „Die Duale Akademie ist eine hervorragende Ergänzung zur klassischen Lehrlingsausbildung. Sie zeigt, dass Karriere im Unternehmen auch nach der Matura oder nach einem Studienabbruch ein attraktiver Weg sein kann – mit besten Aufstiegschancen und unmittelbarer Praxiserfahrung.“ ■
Wilfried Schneider ist freier Journalist mit Sitz in Wien.
