Ein Logistik-Softwarehaus im Allgäu dreht einen Imagefilm mit Laiendarstellern aus dem eigenen Team, betreibt ein Vier-Sterne-Hotel und gewinnt trotz Standortnachteil IT-Fachkräfte gegen Großstadtkonkurrenz. Fabian Blösch, Team Lead Marketing bei Soloplan, gibt Einblick in die Unternehmensphilosophie.
Juliane Gringer
DVZ: Herr Blösch, IT-Fachkräfte sind rar. Und Ihr Unternehmen sitzt im Allgäu – eine Region, die es durch den demografischen Wandel, Konkurrenz durch Metropolen wie München und Wohnraummangel schwer hat, Personal für sich zu gewinnen. Wie schaffen Sie es trotzdem?
Fabian Blösch: Es ist manchmal wirklich eine Herausforderung: In der IT sind Fachkräfte nicht so breit gesät wie in anderen Branchen und in Zeiten von Homeoffice konkurrieren wir auch noch mit Unternehmen in ganz Deutschland. Da stellt sich schnell die Frage: Was kann ich bieten außer Gehalt? Wir setzen auf eine Unternehmenskultur, die dazu einlädt zu bleiben. Mit echten Mehrwerten und Teamzusammenhalt. Und Raum, in dem man Ideen ausleben kann.
Was heißt das konkret – wie entsteht diese Kultur bei Soloplan?
Es fängt damit an, dass wir grundsätzlich nicht das kopieren, was alle anderen tun. Das ist bei uns gelebte Firmenphilosophie – nicht nur in Marketing oder HR, sondern auch im Produkt. Wir probieren immer wieder neue Wege. Ein aktuelles Beispiel dafür ist unser Imagefilm ‚Carlo‘s Eleven‘. Die Idee kam aus meinem Team: Statt des hundertsten HR-Imagefilms, der sagt ‚Wir sind ein toller Arbeitgeber, wir sitzen in Ortsname, wir haben Anzahl Mitarbeiter‘, haben wir mit echtem Storytelling eine Geschichte erzählt, in der unsere eigenen Leute mitspielen. Keine Schauspieler und alles inhouse, vom Drehbuch bis zum Schnitt. Das war auch für das Team selbst ein richtig schönes Projekt, das ganze Haus war involviert und der Film zeigt einfach: Wir sind eine gute Truppe, die gemeinsam an spannenden Projekten arbeitet und Spaß daran hat.
“Wir sind ein bisschen verrückt – und das ist gut so.”
Wolfgang Heidl, Soloplan, Gründer und CEO
Sie wurden sogar dafür ausgezeichnet: mit dem German Marketing Award. Funktioniert der Film als Recruitinginstrument?
Wir werden von Bewerbern regelmäßig auf den Film angesprochen. Alle finden ihn sehr gut. Natürlich lässt sich nicht trennscharf messen, wer sich nur wegen des Films bei uns bewirbt. Aber in der Entscheidungsphase spielt so ein Film sicher oft eine Rolle, weil er einen echten, persönlichen Einblick gibt. Er baut Vertrauen auf und macht sympathisch.
Neben dem Film: Wie machen Sie junge Talente auf sich aufmerksam?
Wir arbeiten eng mit Hochschulen zusammen, in Kempten hier vor Ort und mit der Technischen Universität Dresden. Wir bieten darüber Praxissemester, Werkstudentenstellen und Abschlussarbeiten an. Das ist ein zentraler Kanal für uns: Viele, die auf diesem Weg zu uns kommen, bleiben auch. Wir sponsern außerdem E‑Sports- und Gaming-Events – das ist ein Signal an die jüngere Generation, dass wir ihre Welt kennen und ernst nehmen. Und es zeigt: Bei uns arbeitet man heute schon an den Technologien von morgen. KI und maschinelles Lernen sind bei uns keine Buzzwords. Wir waren schon 2019 auf der transport logistic in München einer der Vorreiter bei diesem Thema und haben es inzwischen an zahlreichen Stellen im Produkt im Einsatz.
Was hält Menschen langfristig bei Soloplan?
Erstens Verantwortung: Auch als junger Mensch kann man hier konkret etwas bewegen. Man arbeitet Hand in Hand mit Kunden an Softwareprojekten und bekommt direkt Feedback. Wenn ein Kunde sagt: ‚Seit wir mit eurem Produkt arbeiten, sparen wir uns täglich acht Stunden, haben viel mehr Zeit für das Wesentliche, viel weniger manuelles Dateneingeben, viel mehr Transparenz‘ – das ist ein Erfolgserlebnis, das macht etwas mit einem. Zweitens der Sinn hinter der Arbeit: Wir haben im In-tranet eine Rubrik ‚Proud Soloplanner‘, in der es um konkrete Kundenprojekte geht. Da sieht man, was mit unserer Software alles transportiert wird. Das geht von Bühnenelementen über Gefahrgüter oder Teile von Achterbahnen bis hin zu Lebensmitteln und Automobilteilen. Jeder Wirtschaftsbereich hängt vom Transport ab. Wenn man abends einkaufen geht und im Supermarkt Gurken kauft, macht unsere tägliche Arbeit bei Soloplan das erst möglich . Das macht sich nicht jeder bewusst – aber wenn man es tut, verändert das den Blick auf die eigene Arbeit. Und drittens: Wir sind ein Familienunternehmen. Das merkt man unter anderem daran, wie hier alle miteinander umgehen. Man ist nicht nur eine Nummer. Zur Weihnachtsfeier kommen fast alle Kolleginnen und Kollegen aus allen Niederlassungen hierher. Diese Mischung aus modernem, internationalem Unternehmen und trotzdem familiären Werten – ich denke, das ist selten.

Sie haben sogar ein eigenes Hotel gebaut. Wie kommt ein Softwarehaus dazu?
Um ein maximales Maß an Automatisierung und Effizienz aus unserer Software CarLo herauszuholen, benötigen die Anwender Schulungen. Deshalb haben wir früh eine eigene Akademie aufgebaut und mehrtägige Seminare gegeben, die User aus Unternehmen wahrnehmen können. Als wir 2019 unseren Neubau in Kempten bezogen haben, wurden gleich vier, fünf große Schulungsräume mit Tagungstechnik eingeplant. Und zwei Jahre später kam unser eigenes Vier-Sterne-Businesshotel dazu. Die Inspiration dazu kam aus unserer Niederlassung in Südafrika, wo die Philosophie gilt: Kunden, die ins Haus kommen, werden wie Gäste behandelt. Bevor wir das eigene Hotel hatten, wurden Schulungsteilnehmer mit dem Bus aus verschiedenen Hotels in ganz Kempten abgeholt. Das war aufwendig und da saß oft noch jemand beim Frühstücksbüffet . Heute schlafen alle bei uns, frühstücken bei uns, laufen einmal über den Parkplatz und sind im Schulungsraum. Wir bekommen viel gutes Feedback dafür.
Was raten Sie anderen Logistik- Unternehmen, die um Fachkräfte kämpfen?
Man muss rausstechen – und das dann auch rüberbringen. Ein Spediteur mit Fahrermangel kämpft an einer anderen Front als ein Softwarehaus, das stimmt. Aber das Grundprinzip gilt überall: Leute gut behandeln, gute Arbeitsbedingungen schaffen und das sichtbar machen. Es wird weiterhin Firmen geben, die sich da leichter tun, weil sie sich stärker als attraktiven Arbeitgeber in Szene setzen. Und es wird welche geben, die nur einen Dreizeiler schreiben: ‚Suche Lkw-Fahrer, Stundenlohn XY.‘ Da kommt nicht so viel rüber. Dabei könnte in Zukunft gerade für Fahrer durch Intermodalverkehr oder autonomes Fahren auf der Autobahn der Job attraktiver werden – weil man dann weniger lang unterwegs und von der Familie getrennt ist.
Was sollte jemand mitbringen, der sich bei Ihnen bewirbt?
Wir sind ein ziemlich vielfältiges Team – IT-Genies, kreative Köpfe, ganz unterschiedliche Charaktere. Was jemand in der Freizeit macht, ob er Schach spielt, bouldert oder lieber in die Berge geht, ob er schüchtern ist oder extrovertiert, das ist erstmal zweitrangig. Was wir suchen, ist echte Begeisterung für die Zukunft – für Technologie, Digitalisierung, Innovation. Für die Zukunft im weitesten Sinne. Und dann ist es ungefähr 50/50: Die eine Hälfte ist das Fachliche – das muss passen. Die andere Hälfte ist das Persönliche: ob man gut ins Team reinpasst, kooperativ ist, mit anderen mitgemeinsam gestalten kann. Auch mal ungewöhnliche Bewerbungen kommen vor. Der Kollege, der bei uns die Kamera führt, hatte seinen Lebenslauf als WhatsApp-Chat mit seiner Familie gestaltet – mit dem Eintritt in die Gruppe zum Zeitpunkt seines Geburtsdatums. Sehr kreativ. Wir bestehen aber nicht auf Videobewerbungen oder Ähnliches. Was zählt, ist, was dahintersteckt. ■
Juliane Gringer ist freie Journalistin aus Berlin.
Soloplan präsentiert: Carlo’s Eleven
Klassische Recruiting-Videos sind oft austauschbar: Ein vorab geschriebenes Skript, das im Grunde die Stellenbeschreibung widerspiegelt, wird von Mitarbeitenden meist etwas nervös vor der Kamera präsentiert. Was dabei häufig verloren geht, ist das Gefühl für das Team, die Dynamik im Arbeitsalltag und das, was den Job wirklich besonders macht.

Der Name „Carlo‘s Eleven“ ist eine Anspielung auf den Filmklassiker „Ocean‘s Eleven“ – eine Gaunerkomödie, in der jedes Teammitglied mit einer speziellen Fähigkeit unersetzlich ist. So wie im Unternehmen kein Teammitglied austauschbar ist. Das Ziel: über Storytelling nicht nur Informationen vermitteln, sondern eine emotionale Verbindung aufbauen.
Wirkung & Ergebnis
- Interne Premiere mit Behind-the-Scenes-Einblicken und Live-Abstimmung unter den Mitarbeitenden
- Ausspielung digital, in Print und Out-of-Home sowie auf der Festwoche in Kempten
- Das öffentliche Feedback übertraf die eigenen Erwartungen
- Auszeichnung mit dem German Marketing Award für die Videoproduktion
- Zentrales Learning: Authentizität ist wichtiger als Perfektion – gerade die Mischung aus professioneller Produktion und echten Menschen macht den Unterschied
Zahlen & Fakten
- 26 mitwirkende Mitarbeitende
- 13 Drehtage
- Komplette Inhouse-Produktion durch das Soloplan-Marketing-Team
Soloplan
- 260 Mitarbeiter in 7 Niederlassungen in Kempten, Dresden, Hamburg, Breslau, Katowice, Murcia und Johannesburg
- 1.800 Kunden weltweit und 34.000 User
- Die Software CarLo kommt in über 50 Ländern zum Einsatz und steht in 13 Sprachen zur Verfügung
- Firmengründung in 1994 – seit über 30 Jahren am Markt
- Betreiber eines eigenen 4****-Businesshotels mit 38 Zimmern am Hauptstandort in Kempten
