Ohne Zoll läuft nichts

Der Zoll hat eine Schlüs­sel­po­si­ti­on in der glo­ba­len Logis­tik: Er über­wacht, dass Waren­strö­me im Rah­men inter­na­tio­na­ler und natio­na­ler Nor­men flie­ßen. Als Berufs­feld bie­tet er zahl­rei­che Mög­lich­kei­ten – im öffent­li­chen Dienst wie in der Wirt­schaft.

Von Udo Stein­metz

Ohne sei­ne Zustim­mung über­quert kei­ne Ware legal eine Gren­ze – ob Con­tai­ner­schiff, Luft­fracht oder Paket aus dem Online­shop: Beim Zoll trifft Han­del auf Regu­lie­rung und das macht den Bereich zu einem der viel­sei­tigs­ten Berufs­fel­der der Logis­tik­bran­che. Zugleich ist es eines der am meis­ten unter­schätz­ten. Und der belieb­tes­ten: In einer Umfra­ge unter jun­gen Erwach­se­nen, die bald in den Beruf star­ten, lan­de­te der Zoll unter den Top 10 der attrak­tivs­ten Arbeit­ge­ber.
Zum Bei­spiel weil er abwechs­lungs­reich ist: „Kei­ne Fra­ge, es tut sich immer viel beim Zoll­recht“, sagt Maxi­mi­li­an Cas­par, Geschäfts­füh­rer der Adhoc Zoll­agen­tur GmbH in Dort­mund. „Sei­en es neue Ver­ord­nun­gen oder Vor­schrif­ten des Bun­des­amts für Wirt­schaft und Aus­fuhr­kon­trol­le oder der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on oder tech­ni­sche Anpas­sun­gen der Zoll­soft­ware ATLAS, die aktua­li­siert, geän­dert und ver­bes­sert wird.“

Am Puls des Gesche­hens

Von UN-Han­dels­ab­kom­men über Frei­han­dels­zo­nen wie die EU bis hin zu natio­na­len Vor­schrif­ten – der inter­na­tio­na­le Han­del wird von einem dich­ten Netz an Regeln gesteu­ert. Zöl­le die­nen als Preis­me­cha­nis­men der Regu­lie­rung, um etwa zu ver­hin­dern, dass Waren zu rui­nö­sen Prei­sen in Kon­kur­renz mit ande­ren ange­bo­ten wer­den. Sicher­heits­stan­dards schüt­zen Ver­brau­cher, Umwelt­auf­la­gen set­zen Gren­zen. Bei der Abwehr von Dro­gen- und Waf­fen­schmug­gel ist der Zoll nach wie vor der Wäch­ter an den Gren­zen.
Er sorgt aber auch in gemein­sa­mer Abstim­mung mit ande­ren Län­dern für IT-basier­te Kom­mu­ni­ka­ti­on, die für Expor­teu­re auf den ers­ten Blick büro­kra­ti­schen Auf­wand bedeu­tet. Auf den zwei­ten Blick opti­miert der Daten­aus­tausch nach ein­heit­li­chen Stan­dards die Pro­zes­se im Außen­han­del. Die Beob­ach­tung von Waren­be­we­gun­gen mün­det schließ­lich in Sta­tis­ti­ken als Grund­la­ge für han­dels­po­li­ti­sche Ent­schei­dun­gen. Die­ses Nor­men­ge­flecht ist weni­ger Ergeb­nis von Rege­lungs­lust – es ist Aus­druck poli­ti­scher Inter­es­sen von Staa­ten, die in ein gemein­sa­mes Regel­werk über­setzt wer­den. Wer beim Zoll oder im Umfeld des Zolls arbei­tet, spricht so gese­hen die Spra­che des inter­na­tio­na­len Han­dels.

All­tag zwi­schen Rou­ti­ne und Kno­beln

Es gebe wenig Einer­lei, auch wenn nicht jede Woche gleich aben­teu­er­lich sei: „Das kommt ganz auf den Kun­den und sei­ne Situa­ti­on an“, schil­dert Cas­par den Arbeits­all­tag. „Natür­lich gibt es Fäl­le und Vor­gän­ge, die sich sehr ähneln oder sich wie­der­ho­len. Gleich­zei­tig bringt der Beruf aber auch viel Abwechs­lung auf­grund der Fül­le an ver­schie­de­nen Per­so­nen, Fir­men und Waren, mit denen man zu tun hat.“ Die ers­te Adres­se als Arbeit­ge­ber und Aus­bil­der ist der Zoll selbst. Wer gut mit Zah­len umge­hen kann, ist hier eben­so gut auf­ge­ho­ben wie IT-Spe­zia­lis­ten. Selbst für den Dienst mit der Waf­fe bie­tet der Zoll Aus­bil­dung und Beschäf­ti­gung – für die Bekämp­fung ille­ga­len Gesche­hens.

Bild: iStock / Rein­hard Krull

Kar­rie­re in der Wirt­schaft

Wer kei­ne Beam­ten­lauf­bahn anstrebt, kann in einer Zoll­agen­tur oder als Zoll­be­auf­trag­te r in einem Unter­neh­men Fuß fas­sen. Neben der Bera­tung über­neh­men Zoll­agen­tu­ren für ihre Kun­den die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit dem Zoll. Das heißt: Sie ken­nen sich in den Nor­men­ge­flech­ten aus, ver­fü­gen über Exper­ti­se bei den anspruchs­vol­len IT-Sys­te­men und unter­stüt­zen Unter­neh­men an ent­schei­den­der Stel­le. Denn ohne Zustim­mung des Zolls läuft nichts im Außen­han­del – jeden­falls nicht legal.
Der Weg dort­hin ist ver­gleichs­wei­se offen, erklärt Cas­par: „Einen Aus­bil­dungs­be­ruf Zoll­agent gibt es nicht. Es gibt Beru­fe, die das The­ma anschnei­den, wie Spe­di­ti­ons­kauf leu­te , aber kei­nen ‚offi­zi­el­len‘ Beruf. Daher bleibt nur, viel Ver­ord­nun­gen wäl­zen, Semi­na­re und Kur­se wie bei der IHK und viel Lear­ning-by-doing.“ Was stau­big klin­ge, mache in Wahr­heit Spaß: „Uns reizt die Abwechs­lung, das ‚Kno­beln‘ und auch das Gefühl, Fir­men und Per­so­nen dabei zu hel­fen, ihren Geschäf­ten nach­ge­hen zu kön­nen. Oder wenn man einer Pri­vat­per­son hilft, ein lang ersehn­tes Paket frei­zu­be­kom­men.“

Mehr Infos unter: www.zoll.de


Udo Stein­metz ist frei­er Jour­na­list in Dort­mund mit Schwer­punkt auf Logis­tik­the­men.